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<title>Reichsfürst</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Reichsfürst</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Ein <b>Reichsfürst</b> (<a href="Lateinisch" class="mw-redirect" title="Lateinisch">lateinisch</a> <i>princeps regni</i> bzw. <i>princeps imperii</i>) war im <a href="Heiliges_R%C3%B6misches_Reich" title="Heiliges Römisches Reich">Heiligen Römischen Reich</a> ein <a href="F%C3%BCrst" title="Fürst">Fürst</a>, der ursprünglich sein <a href="Lehnswesen" title="Lehnswesen">Lehen</a> nur und unmittelbar vom <a href="R%C3%B6misch-deutscher_K%C3%B6nig" title="Römisch-deutscher König">König</a> bzw. <a href="R%C3%B6misch-deutscher_Kaiser" title="Römisch-deutscher Kaiser">Kaiser</a> erhalten hatte. Es bestand also eine lehns- und <a href="Allgemeine_Staatslehre" title="Allgemeine Staatslehre">staatsrechtliche</a> <a href="Reichsunmittelbarkeit" title="Reichsunmittelbarkeit">Reichsunmittelbarkeit</a>. Als später auch geistliche Reichsfürsten einzelnen weltlichen Reichsfürsten reichsunmittelbare Herrschaften zu Lehen ausgaben, behielten diese Lehen (als Reichsafterlehen) ihre immediate Qualität.
</p><p>Zu einem eigenen Stand im Rechtssinne bildete sich der Reichsfürstenstand im <a href="Sp%C3%A4tmittelalter" title="Spätmittelalter">Spätmittelalter</a> heraus. Der Titel eines Reichsfürsten und die darin enthaltene Reichsunmittelbarkeit in Verbindung mit fast unbeschränkter Landeshoheit bildeten eine gewisse rechtliche Sicherheit dagegen, dass ein anderer, mächtigerer Adliger einen Fürsten von sich abhängig machte.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Wie es genau zur Herausbildung eines eigenen Fürstenstandes im hochmittelalterlichen Reich kam, ist auf Grund mangelnder Quellenlage oft ungeklärt. In vielen Fällen bildete ausgedehnter Eigenbesitz (<a href="Allod" title="Allod">Allodien</a>) die Basis der sich bildenden Landesherrschaften. Auch wurde vor der Mitte des 12. Jahrhunderts der Begriff <i><a href="F%C3%BCrst" title="Fürst">Fürst</a></i> (<a href="Lateinisch" class="mw-redirect" title="Lateinisch">lateinisch</a> <i>princeps</i>, „der Erste“) in einem allgemeinen, weitgefächerten Sinne verwendet und bezeichnete hochgestellte Geistliche und Laien, mitunter aber auch <a href="Ministerialer" class="mw-redirect" title="Ministerialer">Ministeriale</a>. Nach unten war der Begriff nicht genau abgegrenzt. Mit „Fürst“ war eher die soziale als die rechtliche Rolle des so Bezeichneten gemeint.
</p>

<p>Ab etwa 1180 (<a href="Gelnh%C3%A4user_Urkunde" class="mw-redirect" title="Gelnhäuser Urkunde">Gelnhäuser Urkunde</a>) blieb der Titel des Fürsten beziehungsweise Reichsfürsten dann aber einem ausgewählten, mit besonderen Vorrechten ausgestatteten Kreis von weltlichen und geistlichen Adligen vorbehalten. Für die Zugehörigkeit zu den weltlichen Reichsfürsten musste die <a href="Regalien" title="Regalien">Regalienbelehnung</a>, also die Zuweisung von ursprünglich königlichen Rechten, wie der Erhebung von Zöllen und dem Recht der Münzprägung, durch den König selbst erfolgt sein. Dadurch wurde diesen die dritte der <a href="Heerschild" title="Heerschild">Heerschildstufen</a> im Reichslehnsverband zugewiesen und machte sie zu Teilhabern an der Reichsgewalt. Den ersten Schild hielt der König/Kaiser, den zweiten die Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte/Äbtissinnen. Die Trennlinie verlief somit zwischen dem dritten Schild der weltlichen Fürsten und dem der freien Herren, die den vierten Schild trugen.
</p><p>Ursprünglich galt für die weltlichen Reichsfürsten auch, dass diese ihr Lehen unmittelbar vom König erhalten haben mussten. Da aber viele weltliche Adlige Reichsabteivogteien als Lehen von geistlichen Fürsten erhalten hatten, wurde wohl mit Rücksicht auf diese auch zugelassen, dass eine lehnsrechtliche Abhängigkeit nicht nur vom Reich, sondern auch von geistlichen Reichsfürsten bestehen durfte. Der <a href="Sachsenspiegel" title="Sachsenspiegel">Sachsenspiegel</a> wies dementsprechend den weltlichen Fürsten die dritte Stufe der Heerschildfolge zu.
</p><p>Das Kriterium der Reichsunmittelbarkeit der Lehen war aber für die Erlangung der Reichsstandschaft der späteren Reichsfürsten (und Reichsgrafen) nicht ausreichend, da auch viele Grafen und freie Herren über reichsunmittelbaren Besitz verfügten, der aber den Zugang zum Reichsfürstenstand allein nicht ermöglichte. Deshalb gab es noch weitere landesrechtliche Kriterien, das heißt, der Fürst musste über eine einem Herzogtum ähnliche übergeordnete Gebietsherrschaft über ein Land (fast souveräne Landeshoheit) mit hoher Gerichtsbarkeit verfügen. Seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts musste auch eine förmliche Erhebung in den Reichsfürstenstand stattfinden, wie es erstmals im Jahr 1235 bei der Erhebung der welfischen <a href="Eigengut" class="mw-redirect" title="Eigengut">Eigengüter</a> zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg durch Kaiser <a href="Friedrich_II._(HRR)" title="Friedrich II. (HRR)">Friedrich II.</a> erfolgte, wodurch Herzog <a href="Otto_I._(Braunschweig)" title="Otto I. (Braunschweig)">Otto das Kind</a> zugleich in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Ein weiteres Beispiel ist im Jahr 1292 die Erhebung des hessischen Landgrafen <a href="Heinrich_I._(Hessen)" title="Heinrich I. (Hessen)">Heinrichs I.</a> in den Reichsfürstenstand. Für die seit alters her als Reichsfürstentümer geltenden Territorien wie die <a href="Markgrafschaft_Brandenburg" class="mw-redirect" title="Markgrafschaft Brandenburg">Markgrafschaft Brandenburg</a> oder die <a href="Pfalzgrafschaft_bei_Rhein" class="mw-redirect" title="Pfalzgrafschaft bei Rhein">Pfalzgrafschaft bei Rhein</a> erfolgten allerdings keine nachträglichen Erhebungen.
</p><p>Um das Jahr 1190 lassen sich 92 geistliche, aber nur 22 weltliche Adlige, die von 14 Geschlechtern gestellt wurden, ermitteln, die als Reichsfürsten anerkannt waren.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zu den weltlichen Reichsfürsten gehörten der König von <a href="K%C3%B6nigreich_B%C3%B6hmen" title="Königreich Böhmen">Böhmen</a>, die Herzöge des Reiches, die Markgrafen von <a href="Mark_Brandenburg" title="Mark Brandenburg">Brandenburg</a>, <a href="Markgrafschaft_Mei%C3%9Fen" title="Markgrafschaft Meißen">Meißen</a> und <a href="Markgrafschaft_Namur" class="mw-redirect" title="Markgrafschaft Namur">Namur</a>, der <a href="Pfalzgraf_bei_Rhein" class="mw-redirect" title="Pfalzgraf bei Rhein">Pfalzgraf bei Rhein</a>, der <a href="Landgrafschaft_Th%C3%BCringen" title="Landgrafschaft Thüringen">Landgraf von Thüringen</a> und der Graf von <a href="Anhalt" title="Anhalt">Anhalt</a>. Durch Standeserhebung und Teilung infolge von Erbschaften von Territorien und Aufnahme in den Reichsfürstenstand aus Gewohnheitsrecht wurde das zahlenmäßige Missverhältnis zwischen geistlichen und weltlichen Reichsfürsten bis zum Ende des Mittelalters etwas korrigiert.
</p><p>Der Prozess der Herausbildung und Ausdifferenzierung der Definition des Reichsfürstenstandes zog sich bis zum 14. Jahrhundert hin.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursprüngliche_rechtliche_Stellung"><span id="Urspr.C3.BCngliche_rechtliche_Stellung"></span>Ursprüngliche rechtliche Stellung</h2></div>
<p>Die Reichsfürsten genossen, wie auch die <a href="Reichsgraf" title="Reichsgraf">Reichsgrafen</a>, viele Vorrechte und Privilegien. Dazu gehörten das Führen des fürstlichen Titels und der fürstlichen Prädikate (beispielsweise die Anrede „Durchlaucht“, lateinisch „illustris“) im offiziellen Schriftverkehr, zeremonielle <a href="Ehrenrecht" title="Ehrenrecht">Ehrenrechte</a> und -ämter und bestimmte Privilegien im gerichtlichen Verfahren.
</p><p>Als wichtigste dieser Vorrechte besaßen Reichsfürsten besondere Herrschaftsrechte. Dies war zunächst das Recht auf Teilnahme an der Wahl des Königs, das aber bereits 1356 von Kaiser <a href="Karl_IV._(HRR)" title="Karl IV. (HRR)">Karl IV.</a> mit der <a href="Goldene_Bulle" title="Goldene Bulle">Goldenen Bulle</a> wieder auf einen kleinen Kreis der Reichsfürsten, die <a href="Kurf%C3%BCrst" title="Kurfürst">Kurfürsten</a>, eingeschränkt wurde. Es verblieb das Recht, Grafen (aber keine Reichsgrafen) und freie Herren ohne Reichsstandschaft als <a href="Vasall" title="Vasall">Vasallen</a> zu haben, das Recht zur Einrichtung von <a href="Hofamt" title="Hofamt">Hofämtern</a> sowie die Verfügung über Zoll-, Gerichts- und Münzregalien. Im Gegensatz zu den Reichsgrafen, die sich im Laufe der Zeit in vier Reichsgrafenkollegien gruppierten und über nur vier sogenannte <a href="Kuriatstimme" title="Kuriatstimme">Kuriatstimmen</a> im Reichsfürstenrat verfügten, wurde jedem Zweig der reichsfürstlichen Familien eine <a href="Virilstimme" title="Virilstimme">Virilstimme</a> zugestanden, die so viel wog wie eine Kuriatstimme. Ab 1582 wurde die Virilstimme an das Territorium gebunden, so dass bei Erbteilungen nicht mehr neue Virilstimmen entstanden. Viele Reichsfürsten verfügten schließlich infolge diverser Erbteilungen und Übernahme geistlicher Fürstentümer während der Reformation über mehrere Virilstimmen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Reichsfürsten_in_der_Frühen_Neuzeit"><span id="Reichsf.C3.BCrsten_in_der_Fr.C3.BChen_Neuzeit"></span>Reichsfürsten in der Frühen Neuzeit</h2></div>
<p>Nach der <a href="Reichsmatrikel" title="Reichsmatrikel">Reichsmatrikel von 1521</a> zählten zu den geistlichen Reichsfürsten die vier Erzbischöfe von Magdeburg, Salzburg, Besançon und Bremen sowie 46 weitere Bischöfe. Diese Zahl verringerte sich bis 1792 auf 33, darunter die beiden Erzbischöfe von Salzburg und Besançon und 22 Bischöfe. Die protestantisch gewordenen <a href="Erzbistum_Magdeburg" title="Erzbistum Magdeburg">Erzbistümer Magdeburg</a> und <a href="Erzbistum_Bremen" title="Erzbistum Bremen">Bremen</a> und die Bistümer insbesondere im Norden und Nordosten, die zunächst nach der Reformation unter der Herrschaft protestantischer <a href="Administrator_(Evangelische_Kirche)" class="mw-redirect" title="Administrator (Evangelische Kirche)">Administratoren</a> standen, waren weitgehend in den Jahrzehnten nach der Reformation bzw. mit Ende des Dreißigjährigen Krieges durch benachbarte Fürsten säkularisiert worden und schieden damit aus dem Stand der geistlichen Reichsfürsten aus. Hinzu kamen <a href="Mediatisierung" title="Mediatisierung">Mediatisierungen</a> und das Ausscheiden von Gebieten aus dem Reich. So wurden zum Beispiel die Bistümer Wallis, Genf und Lausanne eidgenössisch und Cambrai, Verdun, Metz und Toul französisch.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Italienische_Reichsfürsten"><span id="Italienische_Reichsf.C3.BCrsten"></span>Italienische Reichsfürsten</h3></div>

<p>Zu den Reichsfürsten des Mittelalters und der frühen Neuzeit zählten auch die regierenden Häuser in <a href="Reichsitalien" title="Reichsitalien">Reichsitalien</a>. Der kaiserliche Besitz, vor allem in Oberitalien, zerfiel seit dem Hochmittelalter in zahlreiche <a href="Lehen" class="mw-redirect" title="Lehen">Lehen</a> des Reiches. Darunter waren zehn größere Gebiete und etwa 250 kleinere Lehen.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Kaiser suchten durch ihre <a href="Italienzug" title="Italienzug">Italienzüge</a> die nicht immer loyalen Fürsten und Stadtstaaten an sich zu binden. Nicht zum Reich gehörten die <a href="Republik_Venedig" title="Republik Venedig">Republik Venedig</a>, der <a href="Kirchenstaat" title="Kirchenstaat">Kirchenstaat</a> sowie die Königreiche <a href="K%C3%B6nigreich_Neapel" title="Königreich Neapel">Neapel</a> und <a href="K%C3%B6nigreich_Sizilien" title="Königreich Sizilien">Sizilien</a>. Einige Lehen waren zwischen dem Reich und dem Kirchenstaat streitig oder wechselten; auch Venedig gliederte sich einstige Reichslehen ein. Die inneritalienische Politik war im Mittelalter durch den Konflikt zwischen <a href="Ghibellinen_und_Guelfen" title="Ghibellinen und Guelfen">Ghibellinen und Guelfen</a>, also den Anhängern des Kaisers beziehungsweise des Papstes, geprägt, wobei die Stadtstaaten zumeist eher dem Papst, die Reichsfürsten eher dem Kaiser zugeneigt waren. Seit Kaiser <a href="Maximilian_I._(HRR)" title="Maximilian I. (HRR)">Maximilian I.</a> geriet Oberitalien zum Zankapfel zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem <a href="K%C3%B6nigreich_Frankreich" title="Königreich Frankreich">französischen Königreich</a>, was Fürsten und Stadtstaaten zu häufig wechselnden Allianzen zwang. Der <a href="Mantuanischer_Erbfolgekrieg" title="Mantuanischer Erbfolgekrieg">Mantuanische Erbfolgekrieg</a> (1628–1631) war ein Konflikt, bei dem Kaiser <a href="Ferdinand_II._(HRR)" title="Ferdinand II. (HRR)">Ferdinand II.</a> gegen den Widerstand Frankreichs versuchte, das <a href="Herzogtum_Mantua" title="Herzogtum Mantua">Herzogtum Mantua</a> als erledigtes Lehen einzuziehen und neu zu verleihen. Umgekehrt versuchte Frankreich, die kaiserliche Lehensordnung in Reichsitalien zu beseitigen.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Am Ende blieb der Kaiser Lehnsherr, musste aber den französischen Kandidaten als Herzog einsetzen.
</p><p>Im Reich war der <a href="Erzbistum_K%C3%B6ln" title="Erzbistum Köln">Erzbischof von Köln</a> als <a href="Reichserzkanzler" title="Reichserzkanzler">Reichserzkanzler</a> für Italien zuständig, zu den Lehnsnehmern des Reiches und somit zu den Reichsfürsten zählten daher Häuser wie die <a href="Este_(Adelsgeschlecht)" title="Este (Adelsgeschlecht)">Este</a> (seit 1452 im <a href="Herzogtum_Modena" class="mw-redirect" title="Herzogtum Modena">Herzogtum Modena</a>), die <a href="Medici" title="Medici">Medici</a> (seit 1575 im <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Toskana" title="Großherzogtum Toskana">Großherzogtum Toskana</a>), die <a href="Gonzaga" title="Gonzaga">Gonzaga</a> (seit 1433 im <a href="Herzogtum_Mantua" title="Herzogtum Mantua">Herzogtum Mantua</a>), die Ludovisi und <a href="Boncompagni-Ludovisi" title="Boncompagni-Ludovisi">Boncompagni-Ludovisi</a> (im <a href="F%C3%BCrstentum_Piombino" title="Fürstentum Piombino">Fürstentum Piombino</a>) oder die <a href="Doria" title="Doria">Doria</a> (seit 1760 in <a href="Torriglia" title="Torriglia">Torriglia</a>). Das <a href="Herzogtum_Savoyen" title="Herzogtum Savoyen">Herzogtum Savoyen</a> (mit dem <a href="Piemont" title="Piemont">Piemont</a>) gehörte zumindest bis zur Erhebung zum Königtum 1720 zu Reichsitalien; das Land hatte insofern eine Sonderrolle, weil es zum <a href="Oberrheinischer_Reichskreis" title="Oberrheinischer Reichskreis">oberrheinischen Reichskreis</a> gehörte und Sitz sowie Stimme im <a href="Reichstag_(Heiliges_R%C3%B6misches_Reich)" title="Reichstag (Heiliges Römisches Reich)">Reichstag</a> hatte. Bis auf die Mitgliedschaft im Reichstag hatten die oberitalienischen Reichsfürsten- und Herzogtümer eine ähnlich fast-souveräne Stellung mit nahezu unbeschränkten Herrschaftsrechten wie die deutschen. Hauptsächlich bei Thronstreitigkeiten oder Erbfällen (mit Lehnsheimfall an den Kaiser) trat der Lehnsherr in Erscheinung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deutsche_Reichsfürsten"><span id="Deutsche_Reichsf.C3.BCrsten"></span>Deutsche Reichsfürsten</h3></div>
<p>Entgegen der Anzahl der geistlichen Reichsfürsten, die sich bis zum Ende des Reiches um zwei Drittel reduzierte, erhöhte sich die Anzahl der weltlichen Reichsfürsten auf mehr als das Doppelte. Die Wormser Reichsmatrikel von 1521 zählte noch 24 weltliche Reichsfürsten. Ende des 18. Jahrhunderts werden hingegen 61 Stimmen weltlicher Reichsfürsten im <a href="Reichsf%C3%BCrstenrat" title="Reichsfürstenrat">Reichsfürstenrat</a> aufgeführt. Ursache hierfür sind die Säkularisationen ehemals geistlicher Reichsfürsten, für deren Territorien die weltlichen Fürsten, denen das Gebiet zugefallen war, weiterhin eine Stimme im Reichsfürstenrat führten. Ferner ist die Stimmenvermehrung zurückzuführen auf die Erhebung einer Reihe adliger Familien in den Reichsfürstenstand mit Reichsstandschaft durch den Kaiser. Einige Beispiele hierfür sind die Erhebungen der Grafen von Ostfriesland, Waldeck, <a href="F%C3%BCrstenhaus_F%C3%BCrstenberg" class="mw-redirect" title="Fürstenhaus Fürstenberg">Fürstenberg</a>, Liechtenstein, Nassau, Schwarzburg, Salm sowie <a href="Thurn_und_Taxis" title="Thurn und Taxis">Thurn und Taxis</a> in den Reichsfürstenstand. Ein weiterer Grund für die Vermehrung der weltlichen Reichsfürsten ist die Aufspaltung von Adelsgeschlechtern in mehrere Seitenlinien. So bildeten sich im Lauf der Zeit je fünf pfälzische und sächsische, vier braunschweigische, drei badische sowie je zwei fränkisch-brandenburgische, pommersche, mecklenburgische, hessische und holsteinische Linien.
</p><p>Immerhin wurde bereits 1582 auf dem <a href="Reichstag_zu_Augsburg#1582" class="mw-redirect" title="Reichstag zu Augsburg">Augsburger Reichstag</a> die Anzahl der Reichsfürsten durch dynastische Zufälle eingeschränkt. Die Reichsstandschaft wurde an das Territorium des Fürsten gebunden. Erlosch eine Dynastie, übernahm der neue Territorialherr die Reichsstandschaft, im Falle von Erbteilungen übernahmen sie die Erben gemeinsam.
</p><p>Der <a href="Reichsf%C3%BCrstenrat" title="Reichsfürstenrat">Reichsfürstenrat</a> im Reichstag, auch Fürstenbank genannt, bestand aus der Geistlichen Bank und der Weltlichen Bank. Basis für die Ermittlung der Stimmberechtigung der Reichsfürsten waren die Reichsmatrikeln, die bei den einzelnen Geschlechtern die reichsunmittelbaren Herrschaften benennen. Besonders im 14.–16. Jahrhundert sind sie stellenweise fehlerhaft, weil nicht berechtigte Geschlechter sich „einschlichen“, um ihre Bedeutung zu steigern und sich der Landesbesteuerung der großen Territorien zu entziehen, auch mit eigenen Territorien von sehr zweifelhafter Reichsunmittelbarkeit.
</p><p>Die bedeutendsten unter den Fürsten waren an Macht und Größe der regierten Territorien zumindest den geistlichen Kurfürsten überlegen und forderten deshalb seit dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts eine politische und zeremonielle Gleichstellung der Reichsfürsten mit den Kurfürsten.
</p><p>Von den Reichsfürsten mit <a href="Reichsstandschaft" class="mw-redirect" title="Reichsstandschaft">Reichsstandschaft</a>, also den <a href="Reichsunmittelbar" class="mw-redirect" title="Reichsunmittelbar">reichsunmittelbaren</a> Reichsfürsten mit Sitz und Stimme im <a href="Reichsf%C3%BCrstenrat" title="Reichsfürstenrat">Reichsfürstenrat</a> des <a href="Reichstag_(Heiliges_R%C3%B6misches_Reich)" title="Reichstag (Heiliges Römisches Reich)">Reichstags</a>, zu unterscheiden sind die bloßen Reichs-Titularfürsten, also solche Fürsten, die, ohne die Reichsstandschaft zu erlangen, durch den <a href="R%C3%B6misch-deutscher_Kaiser" title="Römisch-deutscher Kaiser">römisch-deutschen Kaiser</a> ihren <a href="F%C3%BCrst" title="Fürst">Fürstentitel</a> als bloßen Titel, verbunden mit einer Rangerhöhung, verliehen bekamen, der zwar im ganzen Reich gültig war, jedoch nicht die Reichsstandschaft implizierte.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>A 1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Denn diese hing nicht an einer bestimmten Adelsrangstufe, sondern an einem <a href="Territorialisierung" title="Territorialisierung">Territorium</a>, das Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat besaß.
</p><p>Mit dem § 197 des Jüngsten Reichsabschieds von 1654 wurde zudem für eine Reihe von namentlich aufgeführten Geschlechtern, die in den Reichsfürstenstand erhoben werden sollten, bestimmt, dass ihre Erhebung nur „ad personam“ erfolgt, bis sie sich mit „ohnmittelbaren Fürstmässigen Reichs-Gütern versehen“ haben. So wurde etwa das <a href="Haus_Liechtenstein" title="Haus Liechtenstein">Haus Liechtenstein</a> bereits 1608 in den erblichen Titularfürstenstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben, es dauerte aber fast hundert Jahre, bis sich ihm die Gelegenheit bot, 1699 die reichsunmittelbare Herrschaft <a href="Schellenberg" title="Schellenberg">Schellenberg</a> und 1712 die <a href="Grafschaft_Vaduz" title="Grafschaft Vaduz">Grafschaft Vaduz</a> zu kaufen, die 1719 mit kaiserlichem Diplom <a href="Karl_VI._(HRR)" title="Karl VI. (HRR)">Karls VI.</a> vereinigt und zum <a href="F%C3%BCrstentum_Liechtenstein" class="mw-redirect" title="Fürstentum Liechtenstein">Reichsfürstentum Liechtenstein</a> erhoben wurden, womit die Aufnahme in den Reichsfürstenrat des Reichstags möglich wurde, da diesem die Introduction und Admission vorbehalten war.
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Liste_der_Erhebungen_in_den_Reichsf%C3%BCrstenstand" title="Liste der Erhebungen in den Reichsfürstenstand">Liste der Erhebungen in den Reichsfürstenstand</a></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Karl-Friedrich_Krieger" title="Karl-Friedrich Krieger">Karl-Friedrich Krieger</a>: <i>König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter</i> (= <i>Enzyklopädie deutscher Geschichte.</i> Band 14). 2., durchgesehene Auflage. Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57670-4.</li>
<li><a href="Malte_Prietzel" title="Malte Prietzel">Malte Prietzel</a>: <i>Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter.</i> Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-15131-3.</li>
<li><a href="Ernst_Schubert_(Historiker)" title="Ernst Schubert (Historiker)">Ernst Schubert</a>: <i>Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter</i> (=&nbsp;<i>Enzyklopädie deutscher Geschichte.</i> Band 35). 2. Auflage. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57978-9.</li>
<li><a href="Axel_Gotthard" title="Axel Gotthard">Axel Gotthard</a>: <i>Das Alte Reich 1495–1806.</i> Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15118-6.</li>
<li><a href="Helmut_Neuhaus" title="Helmut Neuhaus">Helmut Neuhaus</a>: <i>Das Reich in der frühen Neuzeit</i> (= <i>Enzyklopädie deutscher Geschichte.</i> Band 42). 2. Auflage. München 2003, ISBN 3-486-56729-2.</li>
<li><a href="Hermann_Conrad_(Rechtshistoriker)" title="Hermann Conrad (Rechtshistoriker)">Hermann Conrad</a>: <i>Deutsche Rechtsgeschichte</i>, Bd. 1: <i>Frühzeit und Mittelalter</i>; Bd. 2: <i>Neuzeit bis 1806.</i> Karlsruhe 1966.</li>
<li><a href="Dieter_Mertens_(Historiker)" title="Dieter Mertens (Historiker)">Dieter Mertens</a>: <i>Der Fürst. Mittelalterliche Wirklichkeiten und Ideen.</i> In: Wolfgang Weber (Hrsg.): <i>Der Fürst. Ideen und Wirklichkeiten in der europäischen Geschichte.</i> Böhlau, Köln u.&nbsp;a. 1998, ISBN 3-412-11996-2, S.&nbsp;67–89 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://freidok.uni-freiburg.de/data/2764">PDF</a>).</li>
<li><a href="Julius_Ficker" class="mw-redirect" title="Julius Ficker">Julius Ficker</a>: <i>Vom Reichsfürstenstande. Forschungen zur Geschichte der Reichsverfassung zunächst im XII. und XIII. Jahrhunderte.</i> Verlag der Wagner’schen Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck 1861 (<a href="https://de.wikisource.org/wiki/de:Vom_Reichsf%C3%BCrstenstande" class="extiw external" title="s:de:Vom Reichsfürstenstande">Volltext bei Wikisource</a>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&amp;query=4177480-2">Literatur von und über Reichsfürst</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belege">Belege</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Dieter Mertens: <i>Der Fürst. Mittelalterliche Wirklichkeiten und Ideen.</i> Köln u. a. 1998, S. 71.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Gerhard_K%C3%B6bler" title="Gerhard Köbler">Gerhard Köbler</a>: <i>Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart.</i> 4., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 288.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Karl Otmar von Aretin: <i>Das Alte Reich 1648–1806.</i> Bd. 1. Stuttgart 1993, S. 201.</span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references" data-mw-group="A">
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Im <a href="Herrenhaus_(%C3%96sterreich)" title="Herrenhaus (Österreich)">Österreichischen Herrenhaus</a> waren ab 1861 folgende Fürstenhäuser mit erblichen Sitzen vertreten, die nicht zu den mediatisierten, vormals reichsständischen Fürsten zählten: <a href="Dietrichstein_(Adelsgeschlecht)" title="Dietrichstein (Adelsgeschlecht)">Dietrichstein-Mensdorff</a>, <a href="Lubomirski" title="Lubomirski">Lubomirski</a>, <a href="Porcia_(Adelsgeschlecht)" title="Porcia (Adelsgeschlecht)">Porcia</a>, <a href="Lamberg_(Adelsgeschlecht)" title="Lamberg (Adelsgeschlecht)">Lamberg</a>, <a href="Kinsky" title="Kinsky">Kinsky</a>, <a href="Clary-Aldringen" class="mw-redirect" title="Clary-Aldringen">Clary</a>, <a href="Paar_(Adelsgeschlecht)" title="Paar (Adelsgeschlecht)">Paar</a>, <a href="Czartoryski_(Adelsgeschlecht)" title="Czartoryski (Adelsgeschlecht)">Czartoryski</a>, <a href="Sanguszko" title="Sanguszko">Sanguszko</a>, <a href="Rohan_(Adelsgeschlecht)" title="Rohan (Adelsgeschlecht)">Rohan</a>, <a href="Windisch-Graetz" title="Windisch-Graetz">Windisch-Graetz</a>, <a href="Collalto" title="Collalto">Collalto</a>, <a href="Sapieha_(Adelsgeschlecht)" title="Sapieha (Adelsgeschlecht)">Sapieha</a>, <a href="Montenuovo" title="Montenuovo">Montenuovo</a>, <a href="Beaufort-Spontin" title="Beaufort-Spontin">Beaufort</a>, <a href="Thun_und_Hohenstein" title="Thun und Hohenstein">Thun</a>.</span>
</li>
</ol>

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